Tipp: Knausrige Krankenkasse: Jeder zweite Widerspruch hat Erfolg

Eigentlich müssen Kassenpatienten beim Arzt nur die Chipkarte zücken, dann wird die Leistung bezahlt. Eigentlich. Wollen Sie nämlich zur Kur, brauchen Sie einen Rollstuhl oder Krankenpflege, muss die Kasse das erst bewilligen. Und die sträubt sich häufiger.

Krankenkassen lehnen fast jeden fünften Antrag auf eine Vorsorge- oder Reha-Maßnahme ab. Das sind knapp eine Viertelmillion Anträge im Jahr. Das ermittelte das IGES-Institut im Auftrag des Patientenbeauftragten der Bundesregierung. Zahlt die Kasse nicht, müssen Sie das nicht einfach hinnehmen. Sie können die Ablehnung anfechten – und das lohnt sich häufig: Gut die Hälfte der Widersprüche ist erfolgreich.

Wie Sie sich gegen eine Entscheidung der Krankenversicherung wehren können und worauf Sie dabei achten müssen, lesen Sie in unserer Rubrik „Punkt für Punkt“.

Knapp eine Viertelmillion Mal lehnen Krankenkassen Jahr für Jahr Leistungsanträge für Vorsorge und Reha ab. Falls Ihnen das auch passiert ist: Wehren Sie sich! Die Erfolgsquote ist mit 50 Prozent sehr hoch. Folgen Sie dabei dieser Anleitung in sechs Schritten, sobald ein Ablehnungsbescheid der Kasse in Ihrer Post liegt.

1. Prüfen Sie, wie lange die Ablehnung gedauert hat
Schauen Sie nach, wie lange es gedauert hat, bis die Krankenversicherung auf Ihren Leistungsantrag reagiert hat. Hat sich die Kasse nicht innerhalb von drei Wochen bei Ihnen gemeldet, gilt die Leistung als bewilligt. Immerhin 1 Prozent der Patienten kam so 2015 zu einer Genehmigung.

2. Fordern Sie Akteneinsicht
Beruft sich die Krankenkasse in ihrem Ablehnungsschreiben auf ein Gutachten des Medizinischen Dienstes der Krankenversicherung (MDK), sollten Sie dieses anfordern. Wenn Sie die Argumentation im Gutachten kennen, können Sie diese in Ihrem Widerspruch leichter entkräften.

3. Legen Sie Innerhalb von vier Wochen Widerspruch ein
Für den Widerspruch reicht ein formloses Schreiben. Sie brauchen nur Aktenzeichen und Datum der Ablehnung. Im Schreiben sollten Sie begründen, warum Sie die beantragten Leistungen brauchen und die Kasse auffordern, den Ablehnungsbescheid aufzuheben. Auch eine nochmalige Stellungnahme Ihres Arztes kann hilfreich sein. Wichtig ist, dass Sie den Brief unterzeichnen und per Einschreiben an Ihre Krankenversicherung schicken. Verwenden Sie unseren Musterbrief.
Brauchen Sie mehr als vier Wochen für die detaillierte Begründung, können Sie innerhalb der Frist erst einmal allgemein widersprechen. Die Gründe liefern Sie dann nach.

4. Holen Sie sich Unterstützung
Für die Beratung zu Ihren Rechten gegenüber der Krankenversicherung gibt es verschiedene Anlaufstellen: die Unabhängige Patientenberatung Deutschland (UPD), die Verbraucherzentralen und Sozialverbände wie der VdK oder der Sozialverband Deutschland (SoVD).

5. Warten Sie die Entscheidung der Kasse ab
Will die Krankenkasse Ihrem Widerspruch nicht stattgeben, geht der Fall automatisch bei der Kasse selbst an einen sogenannten Widerspruchsausschuss. Dort entscheiden häufig ehrenamtliche Arbeitgeber- und Arbeitnehmervertreter über das Anliegen des Patienten. Arbeitgeber und Arbeitnehmer, weil die ja gemeinsam die Beiträge zahlen. Die Kasse muss innerhalb von drei Monaten antworten.

6. Klagen Sie notfalls
Wird Ihr Widerspruch dort endgültig abgelehnt, können Sie binnen eines Monats Klage beim Sozialgericht einreichen. Das kostet keine Gerichtsgebühren. Es ist aber sinnvoll, sich von einem Fachanwalt für Sozialrecht vertreten zu lassen. Dessen Honorar müssen Sie selbst zahlen, falls Sie den Prozess verlieren. Wägen Sie also das Kostenrisiko ab, falls Sie keine Rechtsschutzversicherung haben.

Quelle: http://www.finanztip.de/

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